PLT #19 – Wie ich 1500€ Lehrgeld gezahlt habe und die neuesten Änderungen im Amazon-Algorithmus

Interessant für andere?

Hallo! Hannes hier. 🙂

Der heutige Tagebucheintrag ist vollgepackt mit Learnings, dir mir in der Vergangenheit über 1500€ erspart hätten. Im April habe ich viel gelernt und möchte gerne all diese Erfahrungen mit dir teilen. Vor allem möchte ich aber darauf eingehen, wieso es so extrem wichtig ist, misstrauisch gegenüber deinen Herstellern zu sein.

Gliederung:

1.) Amazons Algorithmus ändert sich

2.) Learnings im April – Zu hohe Gebühren + Hersteller-Scam

3.) Expansionspläne EU

4.) Hijacker überfällt drei mal mein Produkt

5.) Fehlerhafte Barcodes auf gesamter Bestellung

 

1.) Amazons Algorithmus ändert sich

Wie letzten Monat angesprochen, stand im April der Launch des dritten und die Bestellung des vierten Produktes an. Vor allem beim Launch habe ich festgestellt, dass Amazon kräftig am Ranking-Algorithmus herumschraubt.

Produkte ranken tendenziell langsamer

Meine Vermutungen decken sich mit den Aussagen befreundeter Seller. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich dir aber einen kurzen Crashkurs zum Thema: “Rankingalgorithmus von Amazon“ geben. Grundsätzlich lässt sich die Funktionsweise von Amazons Suchmaschine wirklich sehr einfach erklären:

„Das Produkt, das für ein Keyword den höchsten Umsatz generiert, steht für dieses Keyword ganz oben im Ranking.“

Das hat zur Folge, dass z.B. bei Eingabe der Begriffe „Springseil blau“ nur blaue Springseile oben angezeigt werden, obwohl sich andere Springseile insgesamt vielleicht häufiger verkaufen. Der Suchbegriff impliziert bereits die Absicht des Kunden, ein blaues Springseil zu kaufen, wodurch der Umsatz für blaue Springseile für dieses Keywords am höchsten ist.

Wie kann ich davon profitieren, Hannes?

Wenn man diese einfache Funktionsweise einmal verinnerlicht hat, wirken plötzlich sehr umkämpfte Nischen garnicht mehr so abschreckend. Warum? Ganz einfach, weil man sich mit seinem Produkt auch erstmal nur auf ein Long Tail Keyword wie eben das Springseil in blau konzentrieren kann. Durch diese Speerspitzenpositionierung kann man auch in jeder noch so umkämpften Nische Fuß fassen.

Das ist aber jetzt gerade ein anderes Thema. Eigentlich möchte ich dir ja erzählen, welche Änderungen am Rankingalgorithmus ich im April bemerkt habe.

Im April habe ich das nächste Produkt gelauncht und dafür durch rabattierte Produkte und externen Traffic meine Verkäufe angekurbelt. Da ich den Testkäufern das Keyword nenne, das sie vor dem Kauf in die Suche eingeben sollen, wirkt es auf den Algorithmus so, als würde mein Produkt einen hohen Umsatz für genau dieses Keyword generieren. Demnach rankt mein Produkt im Laufe der Zeit besser und besser.

Was hat sich geändert?

Vorher konnte ich Produkte durch diese Methode teilweise binnen weniger Tage oben im Ranking platzieren. Dieser Zeitraum wurde nach meinem Gefühl nun aber deutlich vergrößert, sodass nicht mehr die letzen Tage relevant für das Ranking sind, sondern eher die letzen Wochen, wenn nicht Monate.

Ist das gut oder schlecht?

Wie bei jeder Änderung gilt diese für alle Verkäufer gleich – von daher habe ich damit kein Problem. Eher im Gegenteil: Durch diese Veränderung ranken nun eher die Produkte sehr weit oben, die sich auch organisch (ohne künstlich generierte Verkäufe) am besten verkaufen.

Und so sollte es ja sein: Das am besten optimierte Produkt mit der besten organischen Conversionrate erzielt den höchsten Umsatz und setzt sich oben fest. Etwas schade ist, dass neue Produkte jetzt länger brauchen, um perfekt zu ranken. Da ich das gesamte Projekt, das ich für dich auf diesem Blog dokumentiere, sehr langfristig sehe, ist mir das aber egal.

2.) Learnings im April

Vor jedem Tagebucheintrag überlege ich mir immer, welche Ereignisse des Monats für meine Leser den meisten Mehrwert vermitteln können. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen großen Unterschied machen können – und so war es auch diesen Monat.

Zu hohe FBA-Gebühren bezahlt

Als ich neulich die Transaktionsansicht im Verkäuferbackend von Amazon durchgesehen habe ist mir aufgefallen, dass eines meiner Produkte anscheinend falsch abgemessen wurde. Ich kenne die Maße des Produktes genau und weiß, welche Paketgröße dafür erforderlich ist.

Als ich aber die Gebührentabelle der verschiedenen Paketgrößen mit der FBA-Gebühr verglichen habe, die ich pro Verkauf bezahle, ist mir aufgefallen, dass ich bei jeder Bestellung ein größeres Paket bezahle, als eigentlich versendet wird.

Bei den meisten Paketgrößen macht das vielleicht 1-5 Cent Unterschied. In diesem Fall habe ich aber bei jeder Bestellung fast 50 Cent zu viel und dadurch mittlerweile circa 1500€ vollkommen unnötigerweise Amazon in den Rachen geworfen. Das entspricht einem vollausgestatteten Macbook Air – und damit du dir in Zukunft lieber das Macbook holst, wollte ich dieses Learning unbedingt teilen.

Wie kann ich das verhindern?

Im Voraus kann man das nicht beeinflussen. Du solltest definitiv nach der Einlagerung jedes neuen Produktes nach den ersten Verkäufen die Transaktionsansicht abrufen und die gezahlte Gebühr mit der Gebührentabelle vergleichen. Manchmal vermisst sich Amazon zu deinem Nachteil, manchmal aber auch zu deinen Gunsten.

Falls tatsächlich ein Fehler vorliegt, kannst du einfach den Kundenservice kontaktieren und eine Neuvermessung wird angeleitet. Das kann bis zu 2 Wochen dauern und du erhältst dann eine Email mit den neuen Maßen.

Learning 2 – Sei deinem Hersteller gegenüber immer misstrauisch

Ich sage damit nicht, dass etwas dagegen spricht, eine gute persönliche Beziehung zu seinem Hersteller aufzubauen, ganz im Gegenteil. Ich möchte dir aber kurz erzählen, was mir passiert ist.

Nachdem nach langem hin und her endlich alles Nötige für die nächste Bestellung besprochen war und es um die Anzahlung der Ware ging, bekam ich morgens diese E-Mail:

„Hi. Johannes.

Hope are you?

Please we have a very urgent issue with our UK stock company and we need to renew our license or else we get shut down, we tried transferring the amount today to our company’s stock Officer but it was unsuccessfully due to the slow banking network here and tomorrow is the last day for the license renewal.

We plead you, kindly help us and transfer your initial payment of USD 2,250 to our stock Office in UK through Money Gram transfer to our Stock Officer with the information we will provided for you.

Please tomorrow is our last day for the renewal of license and if we did not fix it we might face a huge problem..

Thanks for your help please.

Waiting for your reply.“

Diese Mail stammt nicht von meinem Hersteller.

Die Adresse, von der die Nachricht gesendet wurde, war der meines Herstellers aber fast identisch. Der Unterschied ist mir erst im Nachhinein aufgefallen. Auch für das Amazon-Verkäuferkonto bekomme ich ab und zu betrügerische E-Mails.

Anders als die Amazon-Mails ist diese aber extrem gut gefälscht. Der Betrüger scheint unsere Unterhaltung schon länger mitgelesen zu haben und konnte den perfekten Zeitpunkt abwarten.

Genau an dem Tag, an dem sowieso die Zahlung anstand, schickt er mir die Mail, dass sich das Bankkonto geändert habe. Außerdem ist die Mail exakt im selben Stil und im selben gebrochenen Englisch gehalten wie alle Mails, die ich vom echten Hersteller erhalte.

Auf Nachfrage beim Hersteller via Skype, ob dies seine richtige Adresse sei, bekam ich die Antwort, dass es sich um Betrüger handelt. Ich kann mir aber vorstellen, dass diese Masche aufgrund der Qualität der Fälschung schon häufig funktioniert hat und bitte euch, immer aufzupassen.

3. Expansionspläne EU

Im vergangenen Tagebucheintrag habe ich berichtet, dass ich beginnen werde, meine Ware auch in Europa zu lagern. Dazu drängt mich eine Gebühr von 0,5€ zzgl. Mwst., die pro verkauften Artikel anfällt, solange man noch nicht im Ausland lagert.

Dieses Projekt habe ich trotzdem erstmal in die Zukunft verlegt. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

1.) Teurer als erwartet

Bezüglich der Expansion habe ich mich damals am Telefon von Amazon beraten lassen. Am Telefon wurde mir das Unternehmen „Avalara“ empfohlen, mit dem Amazon zusammenarbeitet. Pro Land und Jahr liegen hierbei die Gebühren für steuerliche Anmeldungen und Buchhaltung in den jeweiligen Ländern bei 600€.

In den letzten Wochen habe ich mich daher weiter informiert und umgehört, ob die Zusammenarbeit mit Avalara reibungslos funktioniert. Leider habe ich nur Negatives gehört und mich vorerst gegen Avalara entschieden. Alle anderen Unternehmen kosten etwa doppelt so viel.

2.) Nicht sinnvoll nach 80/20

Trotz der höheren Kosten würde es sich zwar finanziell lohnen, die Lagerung zumindest in Polen und Tschechien einzuleiten, aber der Aufwand ist verhältnismäßig groß. Ich konzentriere mich also vorerst zu 100% auf das Sourcen weiterer Produkte, um mein gestecktes Umsatzziel von 300.000€ dieses Jahr zu erreichen.

 

4.) Hijacker überfällt drei mal mein Produkt

Ein Hijacker ist ein Verkäufer, der sich an das Listing eines Produktes hängt und somit in der Buybox unter „weitere Anbieter“ auftaucht.

Phantombild – Dieser Mann ist ein potentieller Hijacker

Da ich mein eigenes Label auf meine Produkte drucke und der einzige bin, der die Produkte vertreibt, ist das theoretisch also nur möglich, wenn jemand ein Produkt von mir gekauft hat und es dann wieder bei Amazon einstellt. Das wäre allerdings sehr ungewöhnlich und alles andere als profitabel.

Amazon prüft leider nicht, ob ein Anbieter das Produkt auch wirklich besitzt. Man muss daher sobald man es feststellt, den Support kontaktieren und die Situation schildern. Normalerweise wird dann gefordert, dass man einen Testkauf bei diesem Händler macht und beweist, dass er nicht das originale Produkt anbietet.

In meinem Fall war es so, dass ein komplett neuer Seller-Account plötzlich in meiner Buybox auftauchte. Ein Blick auf sein Profil zeigte keinerlei Kontaktdaten, aber über 340 Seiten mit je 20 gelisteten Produkten verschiedenster Hersteller. Das selbe passierte drei Tage hintereinander. Das gleiche Schema, aber jedes Mal ein neuer Account

Gelöst hat sich Problem von selbst. Sicherlich gab es sofort Dutzende Händler, die sich beim Support beschwert haben. Die Seller-Accounts sind alle nicht mehr aufzufinden und wurden gelöscht.

5.) Fehlerhafte Barcodes auf gesamter Bestellung

Auch der April verlief nicht komplett ohne Probleme – Gestern früh schrieb mein Hersteller, dass es ein großes Problem bei der aktuellen Bestellung gibt, die heute ins Flugzeug gehen sollte. Viel Zeit für eine Lösung blieb daher nicht:

„Hello. Johannes.

Sorry but, we have a bad news.

We found a big mistake in sticker design.

We tested it by machine but, they could not read the bar code.“

Aufgrund eines Fehlers im Barcode-Sticker konnte der Barcode nicht gelesen werden. Jeder Barcode muss nicht nur auf weißem Hintergrund gedruckt sein, sondern auch weiß umrandet sein, damit er korrekt eingelesen werden kann.

Auf der Verpackung war dies nicht der Fall, was dem Hersteller erst am Tag vor dem Abflug aufgefallen ist (immerhin!). Wir haben uns darauf geeinigt, dass der Hersteller die Produkte ohne den Sticker verschickt und mir die Sticker „zum selber basteln“ per Post nachschickt.

Der Nachteil ist jetzt, dass ich die Ware nicht direkt an Amazon senden kann, sondern diese zunächst beklebt werden muss.

Diese Lösung ist zwar nicht optimal, aber führt mich am schnellsten zum Ziel: Das Produkt auf Amazon zu launchen!

Ich bedanke mich, dass du mir deine Zeit geschenkt hast und hoffe, dir weitergeholfen haben zu können. Trage dich jetzt in den Newsletter ein, um keinen der nächsten Tagebucheinträge zu verpassen!

Verliere nicht den Anschluss!

Verpasse ab sofort keine geheimen Amazon-Updates mehr, die essentiell für deinen Erfolg sind!
Ich respektiere deine Privatsphäre und versende keinen Spam

Machs gut!

dein Hannes

Hier geht’s zum nächsten Tagebucheintrag: Amazon-Konto gesperrt – Mein bisher größter Rückschlag


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7 thoughts on “PLT #19 – Wie ich 1500€ Lehrgeld gezahlt habe und die neuesten Änderungen im Amazon-Algorithmus”

  1. Hallo Johannes,

    das mit den Produktabmessungen ist mir auch passiert, der Kundenservice bot mir aber nicht nur an, das für 3 Monate rückwirkend zu erstatten, sondern akzeptierte sogar meine Liste mit Bestellungen der letzten vier Monate und verrechnete sich komplett, so dass ich nicht nur die 9 cent pro Produkt zurückbekam, sondern auch die 0,25 bzw. 0,50 Strafgebühr für Lagerung nur in D. 😉

    Lohnt sich also auf jeden Fall da mal nachzuhaken!

    Best, Sascha

    1. Sascha du Gott!
      Danke für den Tipp! Das hätte ich im Leben nicht gedacht.
      Ich warte nun schon seit Januar auf eine Umsatzsteuererstattung von AMZ, wieso sind die bei dir so kulant? 😀

      liebe grüße
      Hannes

  2. Hallo Johannes,

    interessant was du zum Ranking-Algorithmus berichtest.
    Mir ist zudem aufgefallen, dass Produkte die schon weiter vorne waren, die letzten Tage kräftig „abgestuft“ wurden. Meine Produkte sind bei der Suche nach dem Hauptkeyword um satte 6-8 Seiten weiter hinten zu finden. Longtail dagegen, werden sie noch gut gefunden. Das deckt sich ja mit Deiner Beobachtung.
    Ich bin mit diesen Artikeln erst 1-2 Monate am Markt – Vielleicht beruhigt sich das ja wieder…

    Beste Grüsse
    Rainer

    1. Hallo Rainer,
      danke fürs Teilen deiner Erfahrungen!
      Sehr interessant, wie sich gerade vieles am Algo ändert.
      Es kann sich echt lohnen, sich damit auseinanderzusetzen und seine Produkte neu zu optimieren 🙂

      Liebe Grüße
      Hannes

  3. Moin Hannes, Balkon ist super! Studierst du eigentlich noch? Und wenn ja, wie ist das für dich, wie sieht dein Alltag aus und welche Vorteile / Nachteile hast du gegenüber den anderen Studenten?

  4. Hi Hannes,
    immer wieder sehr informativ! Danke dafür!
    Hätte ne frage bezüglich den direkt Versand an Amazon.
    Wie machst du das eigentlich? Lässt du die Ware erst zu dir liefern und dann erst zu Amazon? Oder bereitest du direkt beim Lieferanten alles so vor damit es direkt zu Amazon gehen soll?
    Bin nun an dem Punkt angelangt wo ich echt nicht weiter weiß wie ich das handhaben soll…
    Für ne Antwort wäre ich sehr dankbar! Wünsche dir noch nen angenehmen Tag.
    Grüße nach Hannover, Mo

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